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Malaria-Bekämpfung

Zwei Provinzen in Bewegung

2020 lag laut Einschätzung der WHO die jährliche Anzahl der Malaria-Fälle in Mosambik landesweit zwischen 7 und 10 Mio. Es besteht die berechtigte Annahme, dass es in den vergangenen Jahren zu einem deutlichen Anstieg der Malaria-Fälle im Land gekommen ist, und zwar von rund 3,3 Mio. im Jahre 2010 auf rund 11,3 Mio. im Jahre 2020. Nach Aussage der Behörden verstarben in den Provinzen Niassa und Nampula in den ersten drei Monaten 2022 nahezu dreimal so viele Personen an Malaria als im Vergleichszeitraum 2021. Obwohl die Regierung im Zusammenschluss mit Organisationen des privaten Sektors mit aller Entschlossenheit gegen diese „Volkskrankheit Nr. 1“ vorgeht, bieten die Klimawandel-bedingten Witterungsverhältnisse – schwere Regenfälle, Hochwasser – sowie die wachsende Ungleichheit und Armut unter den Menschen einen idealen Lebensraum für die Tsetse-Fliege, die Überträgerin der Krankheit. Der Zugang zu Aufklärung und Dienstleistungen zur Malaria-Prävention muss verbessert werden!

„Beschleunigung und Stärkung der Qualität von Malariakontrollmaßnahmen in Mosambik“

nennt sich ein Projekt von ADPP, das in Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden auf Provinz- und Bezirksebene im Jahre 2018 vom Stapel lief und sein Operationsgebiet auf 13 Bezirke der Provinz Nampula und 7 Bezirke der Provinz Niassa in Nord- bzw. Zentral-Mosambik erstreckt. In der ersten Phase des Projekts – bis 2020 – wurden erhebliche Fortschritte bei der Ausbildung von LehrerInnen und Freiwilligen aus kommunalen Gesundheitseinrichtungen im gesamten Operationsgebiet erzielt; sie haben gelernt, die Krankheitssymptome zu erkennen, die Wirkungsweise von Präventionsmethoden zu verstehen; sie besitzen die Überzeugungskraft – und oft auch Hartnäckigkeit –, positive Verhaltensänderungen in den Gemeinden durchzusetzen und die Menschen von der Notwendigkeit einer Früherkennung und -behandlung zu überzeugen.

Am 1. Jänner 2021 ging das Projekt in seine 2. Phase:
Ziel ist es nach wie vor,

  • 100% der Bevölkerung mit Malaria-Information zu erreichen,
  • 100% der Bevölkerung mit mindestens einer Präventionsmethode auszustatten sowie
  • 60% der Kranken von der Notwendigkeit einer optimalen Behandlung zu überzeugen.

Beschleunigung und Expansion der Aktivitäten, das ist das Motto für diese Phase. Bereits Ende 2021 wurde mit der Planung der Verteilung von Moskitonetzen begonnen. Es wurde eine App entwickelt, mit Hilfe derer Projekt-MitarbeiterInnen und LieferantInnen von Moskitonetzen registrieren können, welche Haushalte bereits mit Netzen versorgt sind, wie es um die Lagerbestände steht, und die Verteilungsaktionen optimal planen können. 2022 setzte das Projekt auf die Zusammenarbeit mit den bereits in Phase 1 ausgebildeten Freiwilligen und Grundschullehrer*innen.

Weitere Lehrer*innen wurden ausgebildet, und zwar an Schulen in entlegenen – unwegsamen – Gemeinden, die vorher nicht erfasst worden waren. Dies hatte zur Folge, dass mehr Menschen denn je mit Information und Beratung erreicht werden konnten.

Highlight 2022: Kampagne zur Verteilung von Moskitonetzen

Ab Juni 2022 konzentrierte das Projekt seine Bemühungen in beiden Provinzen auf die Planung, Organisation und Schulung der Gesundheitsteams und bereitete diese auf die Nutzung des digitalen Systems zur Registrierung von Haushalten während der Kampagne „Universeller Zugang zu Moskitonetzen“ /CCU/(1) vor. Dieses Digitalprogramm wurde von World Vision u. a. entwickelt, Mitte 2022 in der Provinz Cabo Delgado in einem Pilotprojekt ausgetestet und schließlich ab September – nach erfolgter Adaption – erstmals in Mosambik in unserem ADPP-Projekt angewendet. Schließlich wurden 617 lokal ansässige HändlerInnen von Moskitonetzen identifiziert, die für die Zuteilung der Netze an die 5.445 Mitarbeiter*innen des Projekt-Vertriebsteams verantwortlich waren,

wie auch für die Registrierung der Haushalte, die Netze erhalten hatten. Insgesamt waren rund 55.000 Menschen unterwegs, um die Moskitonetze an den Mann/die Frau zu bringen. Die CCU-Kampagne erreichte 7,189.858 Menschen, d. s. 98% der Bevölkerung im Operationsgebiet, bzw. 1,499.521 Haushalte. Es wurden 3,765.389 mit Insektiziden behandelte Moskitonetze verteilt. Gleichzeitig mit dem Moskitonetz erhielten die Menschen Informationen über Malaria-Prävention, Früherkennung der Krankheit und die medizinischen Einrichtungen, an die sie sich im „Ernstfall“ wenden sollten. Freiwillige Aktivist*innen werden geschult Zu Jahresbeginn lag der Schwerpunkt auf der Ausbildung weiterer, neu hinzugekommener Freiwilliger. In jenen Bezirken mit erhöhtem Infektionsrisiko wurden weitere Gesundheitskomitees gegründet. Sie absolvierten in der Folge Hausbesuche, vor allem, um schwangere Frauen zu erreichen und sie auch auf die Möglichkeit einer medikamentösen Prävention mit „Fansidar“ (2) hinzuweisen. Die Frauen waren äußerst interessiert und viele erklärten sich bereit, ihr neues Wissen im Kreis ihrer Freundinnen weiterzugeben. – Insgesamt wurden 1.328 neue Freiwillige ausgebildet. Gemeinsam mit ihren „dienstälteren“ KollegInnen führten sie das ganze Jahr über Hausbesuche durch, identifizierten in persönlichen Gesprächen Problemquellen, erarbeiteten einfache, unkomplizierte Lösungsmöglichkeiten. Sie organisierten im Rahmen des Projekts Veranstaltungen, indem sie mittels Tanz, Theater, Musik Informationsinhalte in vergnüglicher Form transportierten. Insgesamt erreichten unsere Freiwilligen 2022 in den Gemeinden 456.938 Menschen.

1 Portugiesische Abkürzung: CCU
2 In Afrika stark verbreitetes Medikament zur Malaria-Prophylaxe mit erheblichen Nebenwirkungen. In der Schwangerschaft ist die Anwendung gerechtfertigt, da der Nutzen für Mutter und Fötus die Risiken überwiegt. Die Frauen sollten allerdings zusätzlich Folsäure einnehmen.

Ausbildung von Grundschullehrer*innen

781 Grundschullehrer*innen (131 % der Planvorgaben) in beiden Provinzen wurden für die Präventionsarbeit mit ihren SchülerInnen ausgebildet. Die einzelnen Kurse wurden mit max. 9 Teilnehmer*innen durchgeführt, um eine optimale Interaktion zwischen dem / der / Vortragenden und den Teilnehmer*innen herstellen und die Thematik entsprechend vertiefen zu können. Die Lehrer*innen gaben durchwegs an, sie hätten von den Schulungen profitiert; sie wüssten jetzt, wie man Aufklärungsgespräche führt und Wissen nicht nur an die Schüler*innen, sondern auch Eltern und Erziehungsberechtigte weitergibt. Insgesamt wurden 2022 232.476 SchülerInnen für das Thema „Malaria“ sensibilisiert und angeregt, ihr neu erworbenes Wissen in ihrer privaten Umgebung weiter zu geben.

Kontakt zu den Gesundheitszentren

ADPP-MitarbeiterInnen und VertreterInnen der Bezirksgesundheitsbehörden besuchten 212 Gesundheitszentren (Ambulanzen, Kliniken), nicht nur, um die klinische Intervention in den Zentren zu überprüfen, sondern auch, um die weitere Zusammenarbeit zu koordinieren und zu planen. Es wurde der jeweilge Ist-Zustand an den Kliniken festgestellt, im Falle von Mängeln wurden Empfehlungen zu deren Beseitigung abgegeben.

Unterstützung durch die Lokalmedien

Die CCU-Kampagne zur Verteilung von Moskitonetzen wurde von einer massiven Informationskampagne in den Lokalmedien – in erster Linie im Rundfunk – begleitet. Fallweise wurden sogar zusätzliche Sendestationen eingerichtet, um der Aktion das nötige Gewicht zu verleihen. Spots zu den verschiedenen Teilthemen wurden insgesamt 21.573 Mal ausgestrahlt. Wie wir sehen können, hat sich ungeheuer viel bewegt in Niassa und Nampula 2022. Alle operativen Ziele wurden im Großen und Ganzen erfüllt, manche sogar übererfüllt. Die 2. Projektphase endet – voraussichtlich – am 31. Dezember 2023. Die Ergebnisse erwarten wir mit Spannung.

/Aus dem Jahresbericht des Projekts an HUMANA Österreich/